• TL;DR

    In diesem Tutorial lernst du, wie du deine Kamera im manuellen Modus bedienen und damit spezielle Effekte erzielen kannst. Gleichzeitig bringe ich dir grob bei, wie eine Kamera funktioniert, damit du verstehst, warum du tust, was du tust. An Grundwissen musst du nicht viel mitbringen. Sehr sinnvoll ist es aber, wenn du eine Digitalkamera zum Ausprobieren hast, die du manuell einstellen kannst.

    Dieses Tutorial richtet sich an Anfänger bis Fortgeschrittene und nimmt etwa 15 - 60 Minuten deiner Zeit in Anspruch, je nachdem wie viel du nebenbei mit deiner Kamera experimentierst.


    Die Einstellungen

    In diesem Tutorial kann ich natürlich nur den Bildschirm meiner eigenen Kamera darstellen.
    Dort kann ich alle gängigen Einstellungen tätigen und mich notfalls auch durch die Menüs hangeln.

    Deine Kamera wird auf die ein oder andere Art ähnliche Einstellmöglichkeiten bieten.
    Ich konzentriere mich deshalb in diesem Tutorial auf die absoluten Basics, die jede halbwegs vernünftige Kamera mitbringen sollte:

    ArtBoard1.jpg

    In den folgenden Abschnitten möchte ich detaillierter auf diese Basics eingehen.

    Modus

    Deine Kamera wird irgendwo am Gehäuse eine Möglichkeit bieten den Aufnahmemodus zu wechseln.
    Da wir in diesem Tutorial den manuellen Modus kennenlernen wollen, solltest du deine Kamera entsprechend einstellen.

    So sieht das z. B. bei mir aus:

    IMG_20210129_155347.jpg

    Auf dem Bildschirm sollten nach dem Umstellen auf den manuellen Modus mehr Einstellmöglichkeiten angezeigt werden als vorher und es sollte irgendwo ein großes "M" auftauchen.

    Belichtungszeit

    Der Begriff "Belichtungszeit" sagt eigentlich schon alles aus, was man wissen muss. Die Belichtungszeit beschreibt die Zeitdauer, die der Sensor deiner Kamera Licht abbekommt. Je länger Licht auf den Sensor fällt, desto heller wird das Bild. Üblicherweise werden alle Zeiten unter einer Sekunde als Bruch dargestellt, z. B. 1/20 s. Oft wird der "1/"-Teil aber auch einfach weggelassen, wie bei meiner Kamera. Dann muss man sich den Bruch dazudenken:

    vlcsnap-2021-01-29-16h36m07s043.jpg

    Im Inneren deiner Kamera wird es entweder einen mechanischen oder einen digitalen Mechanismus geben, um einzustellen, wie lange der Sensor belichtet wird. Bei digitalen Spiegelreflexkameras, wie meine eine ist, wird tatsächlich noch mechanisch ein "Vorhang" vor dem Sensor weggeschoben, um den Weg für Licht vom Objektiv frei zu machen. Wie das genau funktioniert, kannst du dir z. B. hier ansehen.

    Wenn ich aus der Hand fotografiere, achte ich darauf, dass ich nicht länger als 1/125 s belichte, da es sonst recht leicht passiert, dass das Bild verwackelt aussieht. Wenn du Lichtmalerei betreiben willst, wirst du dagegen häufiger über einer Sekunde, bis zu 30 Sekunden lange belichten. Damit kannst du zum Beispiel solche Effekte erzielen:

    IMG_3274.jpg

    Ein riesen Unterschied macht die Belichtungszeit zum Beispiel bei der Fotografie von Wasser. Hier ein Vergleich:

    1/4000 s 1/125 s 1/20 s
    IMG_3965.jpg IMG_3966.jpg IMG_3967.jpg

    Probiere das doch mal bei einem kleinen Bach oder Fluss aus! So hast du Wasser noch nicht gesehen 😎

    Blende

    Die Blende deiner Kamera ist ein Teil des Objektivs, also der Optik vor dem Sensor. In den meisten Objektiven besteht sie aus mehreren kleine Lamellen, die gemeinsam bewegt werden können, um die Öffnungsweite der Blende einstellen zu können. Ist das der Fall, spricht man von einer Irisblende.

    Die Blendenzahl beschreibt nun, wie weit die Blende geöffnet ist.

    vlcsnap-2021-01-29-16h17m28s526.jpg

    Je größer der Wert, desto kleiner ist der Durchmesser der Blende. Je kleiner der Wert, desto größer der Durchmesser. Hier ein paar Beispiele:

    Hintergrund.jpg

    Die Einstellung der Blende hat direkten Einfluss auf die Menge an Licht, die auf den Sensor fällt. Aber nicht nur das, sie hat auch Einfluss auf die Tiefenschärfe des Bildes. Bei weit geöffneter Blende (und damit niedriger Blendenzahl) wird das Bild nicht nur heller, sondern hat auch weniger Tiefenschärfe. Bei geschlossener Blende (und damit höherer Blendenzahl) wird das Bild dunkler, aber hat deutlich mehr Tiefenschärfe.

    Hier ein paar Beispiele, was Tiefenschärfe bedeutet (die Helligkeit der Bilder habe ich jeweils mithilfe der Belichtungszeit korrigiert, um nur den Effekt der Tiefenschärfe zu zeigen):

    f/1,4 (wenig Tiefenschärfe) f/5,6 (etwas Tiefenschärfe) f/22,0 (viel Tiefenschärfe)
    IMG_3954.jpg IMG_3955.jpg IMG_3956.jpg

    Sensorempfindlichkeit (ISO-Wert)

    Als letzte Einstellung bleibt noch der ISO-Wert. Er beschreibt, wie empfindlich der Sensor auf Licht reagiert. Ist die Empfindlichkeit hoch, reicht weniger Licht aus, um ein vergleichsweise helles Bild zu erzeugen. Ist sie niedrig, braucht es viel Licht für ein helles Bild.

    vlcsnap-2021-01-29-16h21m44s296.jpg

    Wie dir vielleicht schon aufgefallen ist, beeinflussen alle Einstellungen die Helligkeit des Bildes, haben aber darüber hinaus noch weitere Effekte. Bei der Belichtungszeit war es Bewegungsunschärfe, bei der Blende die Tiefenschärfe.

    Beim ISO-Wert ist es Bildrauschen. Je höher die Empfindlichkeit, desto mehr rauscht das Bild. Hier ein paar Beispiele:

    ISO 100 ISO 3200 ISO 51200
    IMG_3957.jpg IMG_3959.jpg IMG_3960.jpg

    geschätze Belichtung

    Wenn du den Auslöser nur halb durchdrückst, wird dir deine Kamera irgendwo anzeigen, wie hell das Bild, das du gerade schießen willst, vermutlich sein wird:

    vlcsnap-2021-01-30-12h48m48s338.jpg

    Im obigen Beispiel denkt die Kamera also, dass das Bild leicht unterbelichtet sein wird. In einigen fällen (so auch im Beispiel) ist die Einschätzung der Kamera nicht ganz korrekt. Bilder von schneebedeckten Landschaften wird die Kamera stets als überbelichtet ansehen, Bilder mit viel schwarz im Hintergrund immer zu dunkel. Am besten experimentierst du selbst ein wenig mit der Anzeige. Ich nutze sie eher als grobe Referenz. Wenn ich weiß, dass mein Hintergrund dunkel ist, mein Vordergrund aber bei -1 ausreichend hell, dann kann ich meine Kamera immer so einstellen, dass ich bei -1 rauskomme und das Ergebnis ist gut. Hier nochmal das Bild von eben, nur richtig herum (es handelt sich um eine Makro-Aufnahme von Senfsamen):

    IMG_3968.jpg

    Spezialitäten

    In den meisten Werkzeugen für die Bildbearbeitung und manchmal sogar schon in den Einstellungen der Kamera selbst lassen sich spezielle Effekte erzielen, indem man mehrere Bilder kombiniert. Auf die Grundlegendsten möchte ich hier noch kurz eingehen.

    HDR

    HDR steht für High Dynamic Range. Ein HDR-Bild hat also einen großen Dynamikumfang. Das bedeutet, dass es eine große Reichweite an Helligkeiten abbildet, von sehr dunkel zu sehr hell, ohne, dass Bereiche des Bildes unter- oder überbelichtet sind.

    Hier drei Beispiele normaler nicht-HDR-Bilder:

    1 2 3
    IMG_3224.JPG IMG_3223.JPG IMG_3225.JPG

    Es ist deutlich zu erkennen, dass bei allen drei Bildern gewisse Teile unter- oder überbelichtet sind. Bei den ersten beiden Bildern ist die Stadt unterbelichtet. Bei den letzten beiden Bildern ist die Sonne überbelichtet. Im mittleren Bild nichts irgendwie richtig. Keines der Bilder überzeugt.

    Leider ist es mit einer normalen Kamera nicht möglich, die Landschaft so zu fotografieren, dass die Belichtung in einem Bild passt. Irgendwas ist immer entweder unter- oder überbelichtet. Moderne Kameras und auch die meisten Smartphones unterstützen deshalb inzwischen HDR-Fotografie. Dabei werden 3 oder mehr Bilder kurz hintereinander geschossen und anschließend digital so aufeinandergelegt, dass alle Bereiche genau richtig belichtet sind.

    Das Ergebnis sieht dann zum Beispiel so aus:

    HDR1_v1.png

    Panorama

    Ebenfalls in den Bereich der digitalen Nachbearbeitung fallen Panoramen.
    Hier als Beispiel ein Panorama von mir, das ich 2012 aufgenommen habe:

    Hintergrund.jpg

    Es besteht aus insgesamt 18 Einzelbildern, die am PC zu einem Panorama zusammengesetzt wurden. Die Software (in dem Fall Affinity Photo) richtet die Bilder perspektivisch aus, korrigiert Verzerrungen und schneidet die Bilder so zusammen, dass am Ende ein Bild daraus wird.

    Hier 4 Beispiele, wie die Originalbilder ausgesehen haben:

    1 2 3 4
    IMG_2843.jpg IMG_2838.jpg IMG_2847.jpg IMG_2834.jpg

    Das Panorama oben ist relativ unbearbeitet, man sieht teilweise noch, wo die Bilder zusammengeführt wurden. Achte mal auf die hügelige Horizontlinie weiter rechts, dort ist es am deutlichsten.

    Fazit

    Natürlich gäbe es noch deutlich mehr zu erzählen, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Wenn ihr mehr wissen wollt, hier ein paar Gedankenanstöße als Fragen:

    Wenn ihr sonst noch Fragen habt, könnt ihr sie natürlich gerne hier stellen.